Folge 2 · 17.10.2026 · 35 Min.
Was kostet der Sieg?
Die erste Folge nach neuen Regeln: Modern Warfare 4 verkauft in DMZ einen Vorsprung für 30 Euro, und die Tester dürfen jetzt streiken. Dazu drei Spiele, drei Stempel: Valor Mortis von den Ghostrunner-Machern, Castlevania: Belmont's Curse nach zwölf Jahren Pause und der Geheimtipp Car Park Capital, in dem man eine Stadt für Parkplätze abreißt.
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Die Stempel der Woche
- Valor MortisIm Gespräch · vorgestellt von DennisNina SpielbarJan SpielbarDennis Im Sale spielbarSpielbar
Für alle, die Soulslikes mögen und keine große Geschichte brauchen; im Game Pass sofort, als Kauf nach dem nächsten Patch.
- Castlevania: Belmont's CurseIm Gespräch · vorgestellt von JanNina SpielbarJan Sofort spielbarDennis Im Sale spielbarSpielbar
Für alle, die Metroidvanias mögen und mit Sprungpassagen leben können; wer unsicher ist, probiert erst die kostenlose Demo.
- Car Park CapitalGeheimtipp · vorgestellt von NinaNina Sofort spielbarJan Sofort spielbarDennis SpielbarSofort spielbar
Für alle, die RollerCoaster Tycoon vermissen und ein Wochenende lang die Bösen sein wollen.
Pax Autocratica: 80 statt 20 Prozent Rabatt und eine Entschuldigung fürs zu billige Spiel; dazu die neuen Regeln.
Meldung der Woche: Modern Warfare 4, die Vault Edition und DMZ; Battlefield 6 verkauft den Grind, die Tester von Activision stimmen für eine Streikerlaubnis.
Kurz und spielbar: eine Million Charaktere in WoW Forever, RimWorld verlässt Unity, S&box wird kostenlos.
Valor Mortis von One More Level, mitgebracht von Dennis: Spielbar (2:1).
Castlevania: Belmont's Curse von Evil Empire, mitgebracht von Jan: Spielbar (Ninas Wort).
Ninas Geheimtipp: Car Park Capital von Hilko Janssen: Sofort spielbar (2:1).
Wochenend-Tipps: die Demos von Stronghold 4 und Glasshouse, dazu Order of the Sinking Star.
Abspann.
Aus dem Skript der Folge; ein Klick auf einen Satz springt dorthin. Als WebVTT
Cold Open & Begrüßung
Anfang Oktober, Steam-Herbstsale. Das Studio Multiverse will sein Spiel Pax Autocratica um 20 Prozent reduzieren. Eingetragen wird: 80. Aus knapp 30 Euro werden rund 6.
Und das spricht sich rum. Am Tag davor spielen 195 Leute gleichzeitig, am nächsten Tag 2.770. Das Vierzehnfache. Für eine Kolonie-Simulation über eine Diktatur.
Dann die Entschuldigung auf Steam: ein „menschlicher Fehler“, es tue ihnen „extrem leid“. Ein Studio entschuldigt sich, weil sein Spiel zu billig war. Das ist wie ein Bäcker, der einen Zettel an die Tür klebt: Die Brötchen gestern waren zu günstig, bitte nicht noch einmal so viele essen.
Und dann die Klarstellung: Das Spiel wird nicht aufgegeben, und das war kein Räumungsverkauf. Sieben Wochen nach dem Start im Early Access.
Für ein Spiel über Autokratie war das sehr demokratisch. Einen Tag lang konnte es sich jeder leisten.
Merkt euch das. Heute geht es um Leute, die einem den Sieg für 30 Euro mehr verkaufen wollen.
Willkommen bei spielbar, dem PC-Spiele-Podcast. Ich bin Nina, neben mir Jan und Dennis, und das ist Folge 2. Die erste nach neuen Regeln: eine Meldung der Woche statt vier, ein paar kurze dazu, und drei Spiele statt zwei, jeder von uns bringt eins mit.
Drei Spiele, drei Stempel. Mehr Zeit zum Streiten.
Heute: Call of Duty: Modern Warfare 4 und die Frage, was man zusätzlich bezahlt, um zu gewinnen. Danach bringt Dennis Valor Mortis mit, Jan Castlevania: Belmont's Curse, und ich einen Geheimtipp: Car Park Capital.
Und ich muss mich korrigieren. Letzte Woche habe ich gesagt, Modern Warfare 4 ist dann draußen. Ist es nicht, es erscheint am Freitag, dem 23. Oktober. Spielen kann man es trotzdem schon. Wenn man genug bezahlt hat.
Call of Duty: Modern Warfare 4: Kaufen, um zu gewinnen?
Die Fakten. Modern Warfare 4 von Infinity Ward erscheint am 23. Oktober. Auf Steam kostet die Standard Edition 69,99 Euro, die Vault Edition 99,99 Euro. Wer digital vorbestellt hat, spielt die Kampagne seit gestern und ab Dienstag den Modus DMZ. Und um DMZ geht es: Vault-Käufer starten dort mit drei statt zwei aktiven Operator-Plätzen und einem Ausrüstungspaket. Fans nennen das Pay-to-Win.
Kurz für alle, die DMZ nicht kennen: Man zieht in Trupps von bis zu drei Leuten in eine Sperrzone in Korea, sammelt Beute und muss lebend wieder raus.
Und ein Operator?
Ist die Spielfigur mit eigenem Fortschritt. Fällt er, gilt er als vermisst, und man holt ihn mit DMZ-Geld zurück oder gibt ihn auf. Ein dritter Platz heißt also: mehr Spielraum für Fehler. In der Standard Edition bekommt man den auch, nur später, über Spielfortschritt.
Und da liegt der Kern. Wer etwas kauft, das man sich auch erspielen kann, kauft Zeit, nicht Macht. So argumentiert jeder Publisher. Aber in einem Modus, in dem man Ausrüstung und Fortschritt riskiert, ist Zeit Macht. Wer einen Ersatz mehr hat, spielt mutiger, und wer mutiger spielt …
… gewinnt öfter, ja. PC Games findet die Vorteile allerdings „nicht allzu gewaltig“.
Am Anfang ist es nie gewaltig.
Und wir hatten das schon. Im April 2023 hat Activision in DMZ ein Paket mit einem vierten Operator-Platz verkauft, für 1.200 Punkte der Spielwährung, knapp 9 Pfund. Schon damals hieß es Pay-to-Win. Und noch etwas: 2022 gab es DMZ kostenlos, zusammen mit Warzone. Jetzt steckt es nur im Vollpreisspiel. Man zahlt also 70 Euro für den Modus und 30 Euro mehr für den Vorsprung darin.
Und die 30 Euro haben diese Woche einen Zwilling. Battlefield 6 verkauft seit dem Start von Season 5 ein Shortcut Kit für 29,99 Euro: 28 Waffen auf voller Meisterung, acht Fahrzeuge, alle Trainingspfade. Den Grind überspringen, zum Preis der Vault-Differenz.
Und das war nicht der einzige Ärger.
Nein. Fans werfen EA vor, Skins im Battle Pass seien mit KI gemacht: ein Aufnäher, auf dem Secuty statt Security steht, eine Figur mit fünf Pistolen im Holster. Bestätigt ist das nicht, EA hat nicht geantwortet.
Und jetzt die Leute, die nicht im Shop stehen. Die Tester von Activision, organisiert in der Gewerkschaft CWA, haben am 15. Oktober für eine Streikerlaubnis gestimmt. Das heißt nicht, dass sie streiken, aber sie dürfen jetzt. Seit August 2024 verhandeln sie über einen ersten Tarifvertrag, bis heute ohne Ergebnis. Sie wollen höhere Löhne, Grenzen für Fremdfirmen und Leitplanken für KI beim Testen. Eine Testerin sagt laut Kotaku, Qualitätssicherung brauche menschliches Urteil und den Blick für Fehler, die automatische Systeme übersehen.
Wie viele sind das?
Da fängt es schon an. Die Gewerkschaft sagt rund 600, Kotaku schreibt gut 400, ein Drittel weniger als bei der Gründung. Activision sagt, man verhandle in gutem Glauben und habe Pläne, damit es keine Störungen für Spieler oder kommende Veröffentlichungen gibt. Neue Termine bietet Activision für den 21. Oktober und den Tag danach an. Ein, zwei Tage vor dem Release.
Und das Spiel selbst? Die Kampagne kommt in Tests gut weg: IGN gibt 8 von 10, GameSpot 7. PC Gamer schreibt, zum ersten Mal seit Langem wirke die Kampagne nicht wie ein Anhängsel. Auf Steam 82 Prozent positiv, bisher nur für die Kampagne. Fürs Spiel braucht man 115 Gigabyte auf einer SSD, TPM 2.0 und Secure Boot, dazu eine Handynummer am Steam-Konto. Und nein, diesmal hab ich nicht vorbestellt.
Was heißt das für euch? Wer DMZ ernsthaft spielen will, zahlt entweder 30 Euro mehr oder spielt sich den Platz frei. In den Game Pass kommt Modern Warfare 4 diesmal frühestens ein Jahr nach dem Release. Mein Rat: bis zum 23. warten und dann lesen, wie DMZ wirklich läuft. Sonst kauft man den Vorsprung blind.
Star Wars Battlefront II hat 2017 gezeigt, dass Spieler das nicht hinnehmen müssen. Damals hat EA einen Tag vor dem Release alle Mikrotransaktionen abgeschaltet. Die Frage ist, ob das heute noch jemand schafft. Oder ob wir uns daran gewöhnt haben, für den Sieg extra zu bezahlen.
Kurz und spielbar
Drei kurze Meldungen.
WoW Forever von Blizzard startet am 5. November. In der Beta hat eine Fanseite über eine Million erstellte Charaktere gezählt. Das sind keine Spieler, viele Tester haben mehrere Figuren. Beliebteste Kombination: der untote Paladin. Wer selbst rein will: Am Mittwoch, dem 21. Oktober, gibt es ab 19 Uhr einen kostenlosen Stresstest für alle mit WoW-Konto. Nicht Montag, Blizzard hat verschoben. Danach werden alle Charaktere gelöscht.
Ein heiliger Krieger, der eigentlich tot ist. Das passt zu unserem ersten Spiel.
RimWorld verlässt Unity. Ludeon stellt mit Update 1.7 auf die eigene Waylith Engine um. Laut Ludeon läuft alles genauso, nur schneller: Ein Paket mit 1.500 Mods lädt in 6 statt 14 Minuten. Spielstände funktionieren in beide Richtungen, und die allermeisten Mods laufen weiter. Bisher gibt es das nur im Testzweig auf Steam, und PCs, die älter als zehn Jahre sind, schaffen es vielleicht nicht mehr.
Und S&box. Garry Newman, der Mann hinter Garry's Mod, schreibt auf Steam: Seine Idee eines Netflix für Spiele funktioniere nicht. Deshalb soll S&box gegen Ende des Jahres kostenlos werden. Wer schon bezahlt hat, bekommt virtuelle Gegenstände als Dankeschön. Auf Steam sind gerade 45 Prozent der Rezensionen positiv.
Erst 20 Dollar, dann 10, bald nichts. Das ist die Pax-Autocratica-Strategie, nur mit Absicht. Und damit zu den Spielen. Dennis hat das erste mitgebracht, und wer bei Call of Duty den Vorsprung kaufen kann, muss ihn hier mit Blut bezahlen.
Valor Mortis: Spielbar (2:1)
Valor Mortis. Das neue Spiel von One More Level aus Polen, dem Studio hinter Ghostrunner, inzwischen über 70 Leute. Erschienen am 13. Oktober für 39,99 Euro, auf Steam, PlayStation 5 und Xbox, und vom ersten Tag an im PC Game Pass. Ein Soulslike aus der Ego-Perspektive, USK 18 wegen drastischer Gewalt. Die Welt ist ein anderes 19. Jahrhundert. Napoleon hat Waterloo gewonnen und erobert einfach weiter. Sein endloser Krieg hat eine Seuche ausgelöst, die Soldaten der Grande Armée in Monster verwandelt, mit rot pulsierenden Geschwüren. Man spielt William Dowsett, einen Briten, der freiwillig für Napoleon kämpft. Er wacht ohne Erinnerung in einem Massengrab auf, von Napoleon wiedererweckt, und der spricht ab da als Stimme in seinem Kopf. Die Kraft der Seuche fließt jetzt durch Williams Adern. Die Aufgabe: gegen die eigenen früheren Kameraden kämpfen, die zu Untoten geworden sind, und herausfinden, was hinter der Seuche und der eigenen Auferstehung steckt. Das Spiel ist in Kapitel gegliedert, am Ende wartet jeweils ein Boss. Der erste heißt General Lothaire, der Adlerträger. So spielt sich das, Minute für Minute: In der rechten Hand ein Säbel, ein Rapier oder ein Claymore, in der linken eine Pistole, eine Muskete oder eine Donnerbüchse. Das Herzstück ist die Parade. Wer im richtigen Moment pariert, füllt eine Haltungsleiste, und ist die voll, gibt es einen kritischen Treffer. Die Pistole trifft rot leuchtende Schwachstellen, Munition ist knapp. Dazu Zauber, die hier Transmutationen heißen, etwa ein Flammenstoß. Zwischen den Kämpfen: Parkour, Sprünge, Fahrten mit der Grubenlore. Stunde für Stunde: Besiegte Gegner lassen Katalysatoren fallen, die sind Geld und Erfahrung zugleich. An Laternen rastet man, füllt die Heilung auf und steigt auf, und alle Gegner stehen wieder. Wer stirbt, lässt die Katalysatoren liegen und muss zurück, um sie zu holen. Neue Fähigkeiten wie ein Greifhaken öffnen alte Gebiete und Abkürzungen. Das Genre: Soulslike, also Kampf nach Mustern, Rastpunkte, verlorene Währung beim Tod, dazu Parkour und ein Schuss Metroidvania. Keine offene Welt, sondern Level, die miteinander verbunden sind. Die Grafik: 3D aus der Ego-Perspektive, man sieht Waffenhand und Pistolenhand, Unreal Engine 5, fotorealistisch ausgeleuchtet. Dark Fantasy und Body-Horror in napoleonischen Uniformen. Steam-Spieler fassen es zusammen als Sekiro plus BioShock plus Dishonored. Und so fängt es an, zusammengesetzt aus dem Launch-Stream von MoistCr1TiKaL und der Demo-Vorschau von GameStar: Eine Zwischensequenz, Soldaten schwören auf die Adler, ihr Leben zu opfern. Schnitt. Ein Haufen Leichen, ein stilles, nebliges Schlachtfeld, zerfetzte Banner, Krähen. Eine Stimme: „Steh auf, Soldat. Wisch dir den verdammten Dreck aus den Augen.“ Der erste Gegner trägt französische Farben, aus seinem Bauch wächst ein rot pulsierendes Geschwür. Parieren, Kopf ab. Ein Soldat brüllt: „Was ist los mit dir? Wir tragen dieselben Farben!“ Und nach gut 20 Minuten im Stream sagt die Stimme: „Nicht einmal die Krähen wollen von diesen Leichen fressen.“ Dann kommt der erste Boss.
Napoleon als Stimme im Kopf, das hat was. Ein Kaiser, der seinen Soldaten noch nach dem Tod Befehle gibt. Das Setting loben fast alle, Destructoid nennt es das perfekte Soulslike-Setting. Bei der Geschichte wird es dünner. games.ch schreibt: „Erzählerisch solltet ihr allerdings nicht allzu viel erwarten.“ Und GameStar geht durch „Berge von Klonleichen, nahezu alle mit demselben Gesicht“.
Dafür der Kampf. Das ist der Teil, den Presse und Spieler am meisten loben. Gameswelt: „Besonders befriedigend sind perfekt getimte Paraden.“ Push Square sagt, der Kampf hat Gewicht. Nur Kotaku fehlt die Wucht.
Was kostet mich das? 39,99 Euro, bewusst unter Vollpreis, weil der Herbst so voll ist. Die Tests brauchen zwischen 12 und 20 Stunden, das sind um die zwei Euro pro Stunde. Wer den PC Game Pass hat, zahlt gar nichts extra. Die Deluxe Edition für 59,99 Euro bezahlt vor allem eine Erweiterung, die erst 2027 kommt. Die würde ich nicht vorab kaufen.
Und jetzt die Technik, da wird es ernst. Kurz vor dem Start hat das Studio die Mindestanforderungen gesenkt, auf eine GTX 1660 Ti. Aber das Ziel dafür sind 30 Bilder pro Sekunde in 1080p, niedrige Details, und nur mit Upscaling. Der Platzbedarf ist dabei von 50 auf 60 Gigabyte gestiegen.
Und mit einer starken Grafikkarte?
Wccftech kommt auf einer RTX 4080 mit DLSS und Frame Generation auf 80 bis 90 Bilder, mit Raytracing ruckelt es fast überall. Mehrere Tests melden Abstürze. Der erste Patch vom 16. Oktober behebt Abstürze und blockierte Kapitel, aber einige Steam-Rezensionen von heute sagen: seitdem weniger Bilder. Das Steam Deck hat Valve nicht geprüft.
Und es gibt keinen Schwierigkeitsgrad, das hat das Studio bestätigt. Destructoid schreibt, der Boden breche einem dutzende Male weg, Game Informer findet die erste Hälfte zu schwer. ComputerBase dagegen hält es insgesamt für leichter als andere Soulslikes. Einig sind sich viele nur in einem: Der Anfang ist der zäheste Teil.
Die Stimmen der anderen: Metacritic 78 bei 49 Tests, kein einziger negativ. Die Spanne reicht von 50 bei Gamekult bis 9 von 10 bei Destructoid. GameStar gibt 80: „Zu Beginn unnötig zäh, belohnt das Durchhalten aber mit einem überraschend unkonventionellen Souls-like.“ Kotaku nennt es ein Denkmal des Übermuts, das Ganze sei weniger als die Summe seiner Teile.
Und die Spieler? 78 Prozent positiv bei rund 1.250 Rezensionen auf Steam. Fast dieselbe Note wie die Presse, nur aus anderen Gründen. Die Tests stören sich am Design, die Spieler an der Technik: Ruckler bei Bossen, wo jede Millisekunde zählt.
Ein Kampfsystem, das alle loben, in einem Spiel, das technisch noch nicht fertig ist. Stempel.
Ich hab es mitgebracht, und es tut mir weh: Im Sale spielbar. Nicht wegen des Preises, sondern weil ich den nächsten Patch abwarten würde. Für alle mit starkem PC und Geduld beim Einstieg.
Spielbar. Ein eigenes Setting und eine mutige Perspektive, das gibt es selten. Für alle, die Soulslikes mögen und keine große Geschichte brauchen.
Spielbar. Im Game Pass sowieso, und 39,99 Euro für bis zu 20 Stunden sind fair. Dennis hat aber recht mit dem Patch: für Abonnenten heute, für Käufer nach dem nächsten Update. Zwei zu eins: Spielbar.
Castlevania: Belmont's Curse: Spielbar (Ninas Wort)
Jan hat das zweite Spiel mitgebracht, und es ist eine Rückkehr.
Castlevania: Belmont's Curse. Das erste neue Castlevania seit Lords of Shadow 2 von 2014, also seit zwölf Jahren. Entwickelt hat es Evil Empire aus Bordeaux, rund 60 Leute. Das ist die Ausgründung aus Motion Twin, die Dead Cells seit 2019 weiterentwickelt hat. Motion Twin hat beraten, Konami veröffentlicht. Erschienen Mitte Oktober, 29,99 Euro, USK 16, für PC, PlayStation 5, Xbox und Switch. Die Welt: Paris im Jahr 1499. Die Stadt brennt, Monster ziehen durch die Gassen, und über der Stadt ist ein Schloss aufgetaucht. Man spielt Rose Belmont, die Tochter von Trevor Belmont und Sypha Belnades, den Helden aus Castlevania III von 1989. Das Spiel setzt 23 Jahre danach ein. Rose kommt mit ihrem Vater im Auftrag des Bischofs, um die Monster aufzuhalten. Und sie trägt ihren eigenen Fluch: Ihre Mutter ist an Draculas Fluch gestorben, Roses Arm ist schon verfärbt, und wenn sie die Beherrschung verliert, droht ihr dasselbe. Das Ziel: Dracula aufhalten und, so schreibt heise, eine Heilung für sich selbst finden. Einen festen Weg gibt das Spiel nicht vor. Man sammelt Hinweise, sucht die Bosse und öffnet sich die Karte selbst. Unter den Gegnern alte Bekannte: der Tod, Medusa, Carmilla, und Jeanne d'Arc. Es gibt drei Enden. Der Hauptloop. Minute für Minute läuft, springt und kämpft man sich in der Seitenansicht durch verzweigte Räume. Die Peitsche, der Vampire Killer, ist Waffe und Fortbewegung zugleich: Rose schlägt in acht Richtungen, hakt sich an Ankerpunkten oder Gegnern ein und schwingt über Abgründe, laut Konami wie eine Trapezkünstlerin. Dazu sieben Waffengattungen vom Schwert bis zum Wurfspeer, Blocken mit knappem Timing, Ausweichen. Kerzen geben Mana. Stunde für Stunde: Jeder große Boss hinterlässt eine Tarotkarte mit einem neuen Zauber. Neue Fähigkeiten öffnen alte Wege, später kommen Luft-Dash und Doppelsprung. Spiegel sind Speicherpunkte und Schnellreise. Etwa ein Drittel spielt in Paris, dann geht es ins Schloss, und erst dort, schreibt heise, beginnt das eigentliche Metroidvania-Feuerwerk. Das Genre: Metroidvania, also 2D-Action mit Erkundung und Plattform-Passagen, die Kämpfe näher an Dead Cells als an den alten Castlevanias. GameStar nennt es ein Princeroidvania, eine Kreuzung mit Prince of Persia: The Lost Crown. Die Grafik: Seitenansicht, aber keine Pixel-Art. Die Figuren sind 3D-Modelle, die wie handgezeichnet aussehen, vor sehr detailreichen Hintergründen. 2,5D also. Die ersten Minuten, nach dem Test von CGMagazine und einer Komplettlösung von KeenGamer: Nacht in Paris, alles brennt. Trevor lässt seine Tochter allein. Rose beginnt nicht mit der Peitsche, sondern mit einem einhändigen Schwert, und sobald man die Kontrolle hat, sieht man den verfärbten Arm. Es geht an den Docks los, die Seine entlang, durch einen zerstörten Markt, wo ein versteckter Hebel ein Brunnengitter öffnet, hinab in die Kanalisation. Dort steht der erste Spiegel. Und dann kommt der erste Boss, The Fallen. Ein Spieler auf Steam schreibt, der habe überraschend stark zugeschlagen.
Bei der Peitsche sind sich alle einig, das ist das Beste am Spiel. Bei den Sprungpassagen nicht. PC Games findet sie teils frustrierend, heise nur selten. Und daher kommt die Steam-Zahl: 70 Prozent positiv bei gut 4.100 Rezensionen. Englisch und Deutsch liegen bei 81 Prozent, vereinfachtes Chinesisch bei 31. Dort nennen sie es spöttisch das Hüpfschloss.
Und das ist die eigentliche Frage. Symphony of the Night hat 1997 das Genre mitgeprägt, und viele Fans der Teile von Koji Igarashi wollen genau das: Rollenspiel, Nebenwaffen, Herzen. Hier gibt es keine Nebenwaffen und keine Herzen. Gameswelt schreibt: „Ein gutes Metroidvania, aber kein überzeugendes Castlevania.“ Das ist wie ein altes Ölgemälde, das jemand liebevoll restauriert und dabei in Aquarell nachgemalt hat. Schön, aber nicht mehr dasselbe Bild.
Und das sagt der, der es mitgebracht hat.
Gerade deshalb.
Zum Geld: 29,99 Euro, PC Games rechnet 15 bis 20 Stunden für alles, also anderthalb bis zwei Euro pro Stunde. Die Demo ist kostenlos. Ärgerlich: wenige Schnellreisepunkte und viel Rücklaufen, das kritisieren fast alle. Gut: Man kann den Schaden der Gegner einstellen, und es gibt eine Option, die den Tod verhindert. Gameswelt nennt das ein Feigenblatt für schlechtes Balancing. Ich nenne es: So komme ich ins Schloss.
Die Technik, und da ist es dünn. Zum Start blieb bei vielen der Bildschirm schwarz, vor allem mit Monitoren über 120 Hertz. Patch 1.1.3 vom 16. Oktober soll das beheben, laut Konami aber nicht überall.
Und Upscaling?
Gibt es nicht, weder DLSS noch FSR, auf Ultrawide wird das Bild abgeschnitten, und Steam nennt Windows 11 als Minimum. Eine Messung auf Desktop-PCs haben wir nirgends gefunden. Das Steam Deck stuft Valve als „Spielbar“ ein, das ist Valves Wort, nicht unseres. SteamDeckHQ misst meist 45 bis 50 Bilder, aber Menüs sind abgeschnitten.
Die Stimmen der anderen: Metacritic auf dem PC 81, bei OpenCritic empfehlen es 95 Prozent. GameSpot gibt 10 von 10, eines der besten Castlevanias aller Zeiten. Am anderen Ende dreimal 3 von 5, alle aus Großbritannien: Eurogamer, VGC und der Guardian. VGC schreibt sinngemäß: solide, aber auf Nummer sicher, nichts, wofür man die Faust in die Luft reckt.
Ein schönes Spiel, das sich fragen lassen muss, ob es ein Castlevania ist. Stempel.
Sofort spielbar. Für alle, die Metroidvanias lieben, und für alle, die nach zwölf Jahren endlich wieder einen Belmont mit Peitsche sehen wollen. Ob es ein echtes Castlevania ist, entscheidet nicht die Tradition, sondern das Spiel.
Im Sale spielbar. Spielerisch toll, aber kein Upscaling, der schwarze Bildschirm nur halb behoben, das Deck mit abgeschnittenen Menüs. Für alle mit 60-Hertz-Monitor schon jetzt, für den Rest nach dem nächsten Patch.
Spielbar. 30 Euro für bis zu 20 Stunden, und wer unsicher ist, probiert erst die kostenlose Demo. Für alle, die Metroidvanias mögen und mit Sprungpassagen leben können. Drei verschiedene Stempel, also zählt meiner: Spielbar.
Car Park Capital: Sofort spielbar (2:1)
Und jetzt Ninas Geheimtipp. Ich habe gehört, man reißt darin U-Bahnen ab.
Car Park Capital. Ein Aufbau- und Wirtschaftsspiel von Hilko Janssen aus den Niederlanden, einem einzigen Entwickler, verlegt von MicroProse. Seit dem 9. Oktober im Early Access auf Steam, für Windows und Linux. Regulär 16,49 Euro, bis zum 23. Oktober 14,84 Euro, und im Lauf des Early Access soll der Preis steigen. Eine USK-Einstufung gibt es nicht. Auf Steam knapp 1.300 Rezensionen, 97 Prozent positiv. Die Welt: eine amerikanische Kleinstadt im Ton der Fünfzigerjahre, mit Büros, Wohnhäusern, U-Bahn und Bushaltestellen. Die Bewohner sind kleine Figuren, alle mit Glatze. Man ist nicht der Bürgermeister. Man ist, so steht es auf Steam, von Big Auto angeheuert, um den Leuten die „Freiheit der Autoabhängigkeit“ zu bringen. GameStar sagt: ein rücksichtsloser Lobbyist der Autoindustrie. Als eine seiner Inspirationen nennt Janssen einen Werbefilm von General Motors aus dem Jahr 1954, der für mehr Straßen und Autobahnen warb. Und ein Berater namens Wheelie, ein grinsendes Lenkrad, drängt einen zu den bösen Entscheidungen. Die Aufgabe: Jede Karte ist ein Szenario mit Zielen und einer Frist. In der ersten, Baldtown City, sind das unter anderem Autoabhängigkeit auf Stufe 7 und 400 gleichzeitig geparkte Autos. Kurz gesagt: aus einer Stadt mit U-Bahn eine Stadt machen, in der niemand mehr ohne Auto auskommt, und daran verdienen. Der wichtigste Wert heißt Car Braininess, also wie sehr die Leute Autos lieben. Je höher, desto mehr kann man fürs Parken verlangen. Der Hauptloop: Auf einer Wärmekarte nachsehen, wo die Leute parken wollen. Grundstück kaufen, Häuser und Bäume abreißen, asphaltieren, Buchten ziehen, Gebühr festlegen. Mieter kann man nicht einfach rauswerfen, man muss ihnen erst Häuschen in der Vorstadt bauen. Die sind weit weg, also brauchen die Leute Autos, und die baut man in eigenen Fabriken und verkauft sie. Plakate und Lautsprecherwagen steigern die Autoliebe. Mit jeder Stufe kommen neue Gebäude: Drive-in-Essen, Drive-in-Kino, Drive-in-Toilette, Tankstellen, Raffinerien. Gleichzeitig wächst die Unruhe: Demonstranten kleben sich fest, zünden Autos an, besetzen Parkhäuser. Dagegen schickt man Abschleppwagen und Polizei. Und irgendwann kann man sich die U-Bahn-Station leisten. Um sie abzureißen. Das Genre: ein Tycoon-Spiel, Echtzeit mit Pause. Die Grafik: isometrisch von schräg oben, drehbar, kleine Figuren auf einem Raster. Gebaut aus 3D-Modellen, die aussehen wie die vorberechnete Grafik der Neunziger. GameStar fühlt sich an RollerCoaster Tycoon 2 erinnert, und das passt: RollerCoaster Tycoon erschien 1999 unter dem Namen MicroProse. Heute steckt dahinter eine andere Firma, aber das Schild hängt wieder dran. Die ersten Minuten, aus einem Video des Kanals noclip vom 14. Oktober: Baldtown City. Der eigene Parkplatz ist unbrauchbar, keine Buchten, mittendrin Bäume. Gegenüber steht eine U-Bahn-Station, die würde fast das ganze Startgeld kosten. Also erst Propaganda: ein Plakat, und die Passanten machen „Hmm“, als hätten sie gerade gemerkt, wie sehr sie Autos lieben. Der nächste Parkplatz soll auf das Grundstück eines viktorianischen Holzhauses. Also baut der Spieler draußen Vorstadthäuschen, deren Einfahrten den Gehweg ersetzen. Bei der Räumung fliegen die Möbel aus dem Fenster. Und die Unruheanzeige springt um 296 Punkte.
Und warum hat das kaum jemand auf dem Schirm? Es gibt keinen einzigen Test mit Wertung, keinen Metacritic-Eintrag. Die Resonanz kommt von YouTube: Orbital Potato hat noch vor dem Start ein Video hochgeladen, 175.000 Aufrufe, Titel: sofort ein Top-10-Tycoon-Spiel.
Und es läuft auf so ziemlich allem.
Fast. Es ist genügsam: 1 Gigabyte Platz, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, eigene Engine, Linux nativ. Auf einzelnen Grafikkarten startet es nicht richtig, Patch 1.0.1 vom 16. Oktober behebt einen weißen und einen schwarzen Bildschirm. Das Steam Deck hat Valve nicht geprüft, in einem Video läuft es sofort, nur ohne echte Controller-Steuerung.
Satire mit Anker. Ein Mensch, eine eigene Engine und eine Idee, die er selbst so beschreibt: „Ich wollte nichts so Banales wie einen Parkhaus-Simulator machen.“ Das Spiel dreht das Genre um. In SimCity oder Cities: Skylines baut man eine Stadt auf, hier baut man sie ab. GameStar nennt es „fies und zynisch“.
Die Stimmen der anderen: Tests gibt es kaum, Rezensionen dafür viele. Gelobt werden Charme, Stil, RollerCoaster-Tycoon-Nostalgie, und dass man endlich mal der Bösewicht ist. Die Kritik, auch aus den positiven: zu wenig Inhalt. Drei Szenarien, kein Sandbox-Modus, und sobald Geld fließt, wird es zu leicht. Ein Spieler schreibt: „Es ist RollerCoaster Tycoon ohne die Teile, in denen man etwas entwirft und Verkehr plant.“
Und wie lange reicht es?
Ein komplettes Let's Play aller drei Szenarien dauert fünfeinhalb Stunden. Ein Sandbox-Modus steht auf der Roadmap, Version 1.0 ist für Sommer 2027 geplant. Stempel.
Spielbar. Läuft auf fast allem und macht laut Rezensionen süchtig, aber nach fünf bis zehn Stunden ist man durch. Für Tycoon-Fans, die ein Wochenende lang die Bösen sein wollen.
Sofort spielbar. Eine Person, eine Idee, eine Satire, die sitzt. Für alle, die wissen wollen, wie sich die andere Seite des Stadtplans anfühlt.
Sofort spielbar, aber nur bis zum 23. Oktober. 14,84 Euro für fünf bis zehn Stunden, alle Updates kostenlos, und danach wird es teurer. Für alle, die RollerCoaster Tycoon vermissen. Zwei zu eins: Sofort spielbar.
Wochenend-Tipp & Verabschiedung
Der Wochenend-Tipp. Jeder eine Sache, die man ab heute spielen kann.
Die Demo von Stronghold 4, kostenlos auf Steam. Darin: freies Bauen auf der bisher größten Stronghold-Karte, ab Montag kommt der Scharmützel-Modus gegen die KI dazu. Für alle, die Burgen lieber bauen als stürmen. Early Access startet am 7. Dezember.
Die Demo von Glasshouse, einem isometrischen, rundenbasierten Rollenspiel vom Kollektiv FLAT28. Disco Elysium gilt als Vorbild. Man ist der stellvertretende Hausmeister in einem abgeriegelten Wohnblock, neben drei Leichen. Gekämpft wird mit Würfeln oder mit Worten. Neu ist die Demo nicht, sie steht seit 2024 auf Steam, aber alle 17 Rezensionen sind positiv. Für alle, die nach Disco Elysium noch suchen.
Und mein Tipp: Order of the Sinking Star, das neue Rätselspiel von Jonathan Blow. 30,49 Euro, 97 Prozent positiv, und Blow schätzt bis zu 250 Stunden. Das sind rund 12 Cent pro Stunde. Meine Wunschliste wächst diese Woche um 20 Stunden Valor Mortis, 20 Castlevania, 10 Car Park Capital und jetzt 250 Stunden Rätsel. Stand: 28 Jahre und 362 Stunden. Nächste Woche bringt Jan den Geheimtipp mit.
Und falls bei Multiverse jemand zuhört: Wenn ihr beim nächsten Sale wieder 80 eintippt, wir sagen es keinem.
Das war spielbar, Folge 2. Bis nächsten Freitag.