Folge 1 · 16.10.2026 · 35 Min.
Wer bezahlt die KI?
Die erste Folge: Epic lässt seinen Launcher per Vibe Coding bauen, KI-Modelle holen alte Spiele in den Browser, Sega zieht ein Shogun-2-Remaster nach zwei Tagen zurück, und Ubisoft baut in Deutschland ab. Dazu zwei Stempel: Enshrouded 1.0 aus Frankfurt und Silver Pines von fünf Leuten aus Skandinavien.
MP3 herunterladen (26 MB)
Die Stempel der Woche
- EnshroudedNeuerscheinung · vorgestellt von JanNina Sofort spielbarJan SpielbarDennis SpielbarSpielbar
Für alle, die bauen und erkunden wollen, am liebsten im Koop; wer an der Mindestausstattung spielt, wartet auf die ersten Patches.
- Silver PinesPerle · vorgestellt von DennisNina Sofort spielbarJan Sofort spielbarDennis SpielbarSofort spielbar
Für Fans von Survival-Horror, Rätseln und Atmosphäre, die mit einem hölzernen Kampf leben können.
Ben Affleck, StarCraft und ein Oscar wegen Doom; dazu die Vorstellung des Podcasts.
Epics neuer Launcher entsteht per Vibe Coding, der Disney-Shooter wird verschoben und soll „KI first“ entstehen.
KI-dekompilierte Browser-Ports von Halo bis Vice City, und Microsoft gründet Xbox Labs.
Total War: Shogun 2 Complete Edition: Vorwürfe zu KI-Hochskalierung, Rückzug nach zwei Tagen.
Ubisoft will in Düsseldorf, Mainz und Berlin rund 100 Stellen abbauen; dazu RedLynx, Funcom und Zero Company.
Kurz und spielbar: Steam-Rekord, GTA 6 für den PC, Control Resonant, Anbernic und das Steam Next Fest.
Besprechung 1: Enshrouded 1.0 von Keen Games, vorgestellt von Jan.
Besprechung 2: Silver Pines von Wych Elm, vorgestellt von Dennis.
Wochenend-Tipps: Steam Next Fest, ein Abschied von Levelord und das Original von Shogun 2.
Abspann.
Aus dem Skript der Folge; ein Klick auf einen Satz springt dorthin. Als WebVTT
Cold Open & Begrüßung
Ben Affleck. Oscar-Preisträger, Batman, und laut eigener Aussage drei Jahre lang zu Hause geblieben, um StarCraft zu spielen. Heute lässt er sich in Valorant von Elfjährigen beleidigen. Wörtlich: „Es ist sehr erniedrigend, aber es ist ein großartiges Spiel.“
Drei Jahre. StarCraft steht seit 1998 auf meiner Wunschliste. 28 Jahre. Ben Affleck hatte Zeit, ich hatte Rechnungen.
Ein Hollywood-Star in der Valorant-Lobby, das ist wie ein Sternekoch an der Pommesbude. Er kennt das Handwerk, aber die Kinder haben bestellt, bevor er die Karte gelesen hat.
Es wird besser. Als er das Drehbuch zu „Good Will Hunting“ geschrieben hat, lief in den Pausen Doom. Das Original. Das Drehbuch hat den Oscar gewonnen. Ich sage: wegen Doom.
Dann wissen wir ja, wie man einen Oscar gewinnt. Vorher aber: Willkommen bei spielbar, dem PC-Spiele-Podcast. Ich bin Nina, neben mir Jan und Dennis, und das ist Folge 1. Die Woche hat ein Thema: künstliche Intelligenz, und wer dafür bezahlt.
Epic lässt seinen neuen Launcher von der KI schreiben. KI-Modelle holen alte Spiele in den Browser, und Microsoft gründet ein Labor, das genau davon lernen will.
Sega zieht ein Remaster von Shogun 2 nach zwei Tagen zurück, und Ubisoft will in Deutschland rund 100 Stellen abbauen. Danach Kurzmeldungen und zwei Spiele mit Stempel: Jan bringt Enshrouded mit, Dennis Silver Pines.
Und weil es die erste Folge ist, einmal zum Mitschreiben: Wir drei sind erfunden, unsere Stimmen sind künstlich, und wir haben keines dieser Spiele gespielt. Wir lesen alles, was andere darüber schreiben, und sagen euch dann, ob es spielbar ist.
Und ob ihr dafür Ben Afflecks drei Jahre braucht oder nur einen Abend. Los.
Epic lässt die KI programmieren
Mittwoch, 14. Oktober: Epic veröffentlicht die Vorschau auf einen komplett neuen Launcher, für Windows, macOS und erstmals Linux. Die Begründung steht im eigenen Blogpost, übersetzt: Programmieren ist schwer. Also haben wir das gelassen und stattdessen einen neuen Launcher per Vibe Coding gebaut. Dazu die Zahl: Der Store soll nach einem Kaltstart in 5,47 Sekunden laden, laut Epic 46 Prozent schneller als Steam.
Und dann kommt Valve. Steam hat am 13. Oktober, einen Tag vorher, ein Update gebracht, das den Start beschleunigt. Destructoid hat nachgemessen und landet bei Steam jetzt bei 5 bis 7 Sekunden. Der Vorsprung war also weg, bevor Epic ihn verkündet hat. Der eigentliche Knaller ist für mich Linux: ein eigener Launcher, Proton gleich mitgeliefert, und GamingOnLinux schreibt, er läuft reibungslos.
Epic legt noch nach: Der Launcher habe wenige Funktionen, man solle ihn sich eher wie ein Schnellboot vorstellen, nicht wie eine Yacht. GameStar und Reddit lesen die Yacht als Spitze gegen Valve-Chef Gabe Newell. Rechnen wir: Bei vier, fünf Sekunden Vorsprung und einem Start am Tag spart man knapp eine halbe Stunde im Jahr. Nach Steams Update praktisch nichts.
Programmieren ist schwer. Das schreibt eine Firma, die eine der wichtigsten Spiele-Engines der Welt baut. Ich finde den Satz nicht witzig, ich finde ihn verräterisch. Denn zwei Tage vorher berichtet Bloomberg: Epic verschiebt seinen ersten Disney-Shooter mit Figuren aus Marvel und Star Wars, eigentlich für März 2027 geplant. Und das Team soll auf „KI first“ umstellen. Aus einer internen Nachricht, laut heise: Kein handgeschriebener Code mehr.
Im Team kam das laut Bloomberg nicht gut an. Die Ansage kam Anfang Oktober in einem Videocall, und einige scherzten, ob man Claude dann bitten solle, seine eigenen Fehler zu beheben. Zur Größenordnung: Disney hat 2024 1,5 Milliarden Dollar in Epic gesteckt, und dieser Shooter ist das erste Projekt daraus.
Im März hat Epic mehr als 1.000 Stellen gestrichen. Tim Sweeney sagt, das habe nichts mit KI zu tun, und schreibt diese Woche auf X: Das Ziel sei nicht, dasselbe mit weniger Leuten zu machen, sondern mehr und Besseres. Kann sein. Aber bei einem Launcher spart man mit KI keine Sekunden, sondern Leute.
Okay, die Sekunden sind ein schwaches Argument. Ein Kommentar unter Epics Post, laut GameStar: Ihr denkt, Leute nehmen Steam wegen der Startgeschwindigkeit? Wer berät euch? Und Epic rät selbst allen, die kompetitiv spielen, vorerst beim alten Launcher zu bleiben. Das neue Anti-Cheat für Linux ist nur angekündigt, Fortnite für Linux hat keinen Termin, und das Steam Deck wird derzeit gar nicht unterstützt.
Und am anderen Ende der Skala: Easy Fox, ein Studio aus vier Leuten. Laut GameStar zahlt es über 1.000 Dollar am Tag an KI-Dienste, damit seine kostenlose Steam-Demo läuft, und hat dafür einen Bankkredit aufgenommen. Die Großen sparen mit KI, die Kleinen verschulden sich für sie.
Und die Entwickler selbst? In der großen GDC-Umfrage für 2026 sagt mehr als ein Drittel von über 2.300 Befragten, dass sie generative KI im Job nutzen. Mehr als die Hälfte hält sie für schädlich. Das ist das Bild dieser Woche. Und es geht weiter.
KI dekompiliert alte Spiele, Xbox gründet ein Labor
Die zweite Geschichte ist dieselbe Technik, nur von unten. Seit Ende September tauchen Browser-Versionen alter Spiele auf: Halo: Combat Evolved, Call of Duty: Black Ops, GTA: Vice City. Kotaku führt die Welle auf ein aktuelles Modell von Anthropic zurück, Claude Opus 5.5. Man könne es über Nacht laufen lassen, um ein Spiel zu dekompilieren, also aus Maschinencode wieder lesbaren Quellcode zu machen.
Und das läuft. Kotaku hat vier verschiedene Halo-Ports gefunden, einer davon mit funktionierenden Online-Servern. The Simpsons: Hit and Run lief im Browser mit 240 Bildern pro Sekunde. Kein Stream, das läuft lokal im Tab. Hätte mir das 2008 jemand im Laden erzählt, ich hätte ihm keinen Rechner verkauft, sondern einen Arzttermin.
Zur Technik, ganz kurz: Aus dem Maschinencode wird wieder lesbarer Quellcode, und der wird für den Browser meist nach WebAssembly übersetzt. Früher hat das Monate oder Jahre gedauert. Den Halo-Port hat ein Entwickler namens Mitchell Hynes veröffentlicht. Seine Seite liefert keine Spieldaten, man wählt ein Abbild der eigenen Xbox-Disc. Viele andere Ports haben diese Sperre nicht.
Rechnen wir rückwärts. re3, der Nachbau von GTA III, hat ein Team aus Fans vier Jahre Handarbeit gekostet, 2016 bis 2020. 2021 kamen Takedown und Klage von Take-Two. Kurz danach erschien die Definitive Edition, und die alten Versionen verschwanden aus den Shops. Was früher vier Jahre dauerte, schafft ein Modell laut Kotaku über Nacht. Wer zahlt dann noch für ein Remaster?
Und es geht nicht nur um alte Konsolen. Kotaku rechnet vor: Die PS3 hatte etwa 512 Megabyte Arbeitsspeicher, sein Browser-Tab belegte beim Schreiben rund 1.200. Und P.T., Kojimas spielbarer Teaser von 2014, läuft jetzt als PC-Port mit Path Tracing und HDR. Der Autor legt offen, dass er KI-Werkzeuge genutzt hat, verlangt die eigene PS4-Kopie und liefert kein einziges Konami-Asset mit.
Die Szene selbst ist gespalten. DarioSamo, der den Fan-Port Banjo: Recompiled leitet, nennt einen KI-Port, der auf der Arbeit seines Teams aufsetzt, respektlos. Und dann kommt Microsoft. Am 13. Oktober kündigt Xbox-Chefin Asha Sharma Xbox Labs an, geleitet vom Technikchef Scott Van Vliet. In der Ankündigung stehen Spiele, die rasch dekompiliert und neu gebaut wurden, für Hardware, für die sie nie gedacht waren. Gute Ergebnisse, heißt es, selbst wenn sie bestehende Geschäftsmodelle infrage stellen.
Und gleichzeitig verschickt Activision, Microsofts eigene Tochter, Takedowns gegen die Browser-Ports von Black Ops. Die eine Hand gründet ein Labor, die andere schickt die Anwälte. Eurogamer ist noch etwas aufgefallen: In der ganzen Ankündigung fällt das Wort KI kein einziges Mal.
Kotaku schreibt: Ich weiß ehrlich nicht, wie man diesen Geist wieder in die Flasche bekommt. Ich auch nicht. Aber die eigene Disc als Eintrittskarte, wie beim Halo-Port, das ist die Grenze, an der ich zuhöre.
Gut, da bin ich bei dir. Wer sein Spiel besitzt und es auf neue Hardware rettet, hat mein Verständnis. Wer fremde Arbeit über Nacht abschöpft, nicht.
Shogun 2: zwei Tage im Laden
Dienstag, 13. Oktober: Sega bringt Total War: Shogun 2 als Complete Edition. Versprochen: echte 64 Bit, bessere Texturen und Licht, eine Oberfläche für 4K, Ultrawide, Mods über Mod.io. Am Mittwoch steht es bei rund 18 Prozent positiven Rezensionen auf Steam, bei etwa 1.700 Stück. Am Donnerstag nimmt Sega es vorübergehend aus dem Verkauf.
Jetzt das Kleingedruckte. Die Complete Edition kostete 39,99 Euro. Das Original kostet 29,99 und war vor dem Start aus dem Verkauf genommen worden. Wer neu einsteigen wollte, musste die teurere Fassung nehmen. Besitzer bekamen 75 Prozent Rabatt, das war fair. Bei Rome Remastered lief das 2021 anders: eigenes Produkt, das Original blieb daneben im Laden.
Und das Handwerk. Spieler und Presse werfen Sega vor, vor allem die Einheitenkarten per KI hochskaliert zu haben, ohne Hinweis auf der Steam-Seite. Kotaku zeigt einen General, dessen Gesicht mit dem Helm verschmilzt, eine Art Automat aus dem 16. Jahrhundert. Spieler zählen bei portugiesischen Soldaten sechs Finger. Wichtig: Sega hat KI nie bestätigt, und in der Stellungnahme zum Rückzug kommt das Wort nicht vor.
Laut Kotaku verstößt schon die fehlende Angabe gegen Valves Regeln, denn auf Steam muss KI-Einsatz gekennzeichnet werden. PC Games hat einen bärtigen Reiter gefunden, dem die Hochskalierung einen Helm verpasst hat. Er sieht jetzt aus wie ein Mandalorianer. Und ein Reddit-Nutzer vermutet ein wirklich mieses KI-Modell von vor zwei Jahren.
Dazu Technik, die nicht hält, was versprochen war. Spieler berichten von Einbrüchen auf der Kampagnenkarte, einer nennt 30 bis 40 Bilder pro Sekunde in 4K mit einer RTX 5090. Das ist eine Spielerangabe, keine Messung. Und der Wechsel vom Steam Workshop zu Mod.io hat die Mods zerlegt. Eine Steam-Rezension, laut Gameswelt: Gier in biblischem Ausmaß.
Aber Sega hat in zwei Tagen reagiert. Wörtlich: Die Complete Edition sei hinter euren Erwartungen und hinter unseren eigenen Standards zurückgeblieben. Das Original ist wieder im Laden, 91 Prozent positiv bei über 69.000 Rezensionen. Gut. Notiert. Das ging schneller, als ich erwartet hätte.
Und wer schon gekauft hat: Zur Rückerstattung sagt Sega nichts. Laut Notebookcheck hat ein Mitarbeiter von Creative Assembly auf Reddit geschrieben, man rede mit den Plattformen über längere Fristen. Wer die Complete Edition behält, kann sie weiter spielen. Die 75 Prozent Rabatt für Besitzer laufen offiziell bis zum 12. November.
Zwei Tage. So lange brauchen Spieler, um einen Unterschied zu sehen, den ein Konzern vorher nicht sehen wollte.
Ubisoft baut in Deutschland ab
Jetzt etwas Ernstes. Ubisoft will an seinen deutschen Studios in Düsseldorf, Mainz und Berlin Stellen abbauen. Laut Game File sind es rund 100, mehr als die Hälfte davon in Düsseldorf. Ubisoft bestätigt ein Freiwilligenprogramm mit Abfindung, nicht die Zahl. Im Gespräch sind 1,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr, das ist Verhandlungsstand.
Düsseldorf ist Blue Byte. 1988 in Mülheim gegründet, Battle Isle, Die Siedler, 2001 von Ubisoft gekauft, für rund 26 Millionen Mark. Mainz war früher Related Designs und macht heute Anno, als einziges deutsches Ubisoft-Studio mit eigenen Projekten. Geschäftsführer Benedikt Grindel spricht in einer internen Mail von einem klareren Fokus. Die Betriebsräte gibt es an allen drei Standorten erst seit 2025, und jetzt verhandeln sie genau das.
Wer Anno 117 spielt: Der Ägypten-DLC Erwachen des Deltas soll weiterhin am 5. November erscheinen. Ob der Abbau die Arbeit danach trifft, sagt niemand. Und es bleibt nicht bei Deutschland. RedLynx in Helsinki, das Studio hinter Trials, soll geschlossen werden, rund 52 Stellen. In Singapur fallen 70 weg.
RedLynx gibt es seit dem Jahr 2000. Das erste Trials war ein Browserspiel, der Durchbruch kam mit Trials HD auf der Xbox. Das letzte Trials erschien 2019. Vor einem Jahr hat Ubisoft dort schon bis zu 60 Stellen gestrichen und das Studio auf Handyspiele umgebaut. Jetzt ist es die zweite Runde in zwölf Monaten, und diesmal soll das Studio ganz zugehen.
Ubisoft hat für das letzte Geschäftsjahr einen Rekordverlust von mehr als 1,3 Milliarden Euro gemeldet. Anfang 2025 fielen in Deutschland schon 65 Stellen weg. Und Funcom, die Firma hinter Dune: Awakening, verkleinert sich diese Woche auf zwei Spiele. Wie viele Menschen gehen, sagt Funcom nicht.
Und dann Zero Company. Das Star-Wars-Spiel von Bit Reactor ist Ende August erschienen und kam gut an. Vorher hatte das Studio laut Game File bis zu 80 Prozent des Teams unbezahlt freigestellt, weil das Geld kurz vor dem Release aufgebraucht war. Inzwischen arbeitet wieder gut die Hälfte. Von Nachzahlungen ist keine Rede. Die Rechnung für ein erfolgreiches Spiel haben die bezahlt, die es gebaut haben.
Auf Reddit streiten Spieler, ob man Zero Company deshalb boykottieren soll. Andere halten dagegen: Das Studio braucht den Erfolg, um die Leute zurückzuholen. Studiochef Greg Foertsch nennt die Freistellung eine unglaublich schwierige Entscheidung, aber eine notwendige, um am Ende so viele Menschen wie möglich zurückzuholen.
Und laut einer Schlagzeile von Rock Paper Shotgun haben gewerkschaftlich organisierte Tester bei Activision für eine Streikerlaubnis gestimmt, kurz vor dem Start von Modern Warfare 4. Mehr wissen wir noch nicht.
Allen, die es diese Woche getroffen hat: alles Gute. Wir machen weiter, kürzer und leichter.
Kurz und spielbar
Kurz und spielbar. Fünf Meldungen, schnell.
Steam hat einen neuen Rekord: Am Sonntag, 11. Oktober, waren 43,5 Millionen Nutzer gleichzeitig angemeldet. In einem Spiel waren davon nur 14,46 Millionen, rund ein Drittel. Der Rest hatte Steam einfach offen. Ich fühle mich ertappt.
Wie in einer Buchhandlung am Samstag. Volle Gänge, kaum einer an der Kasse.
GTA 6 für den PC soll laut GamesBeat schon im ersten Quartal 2027 erscheinen, berufen auf vier anonyme Quellen. Die Konsolen bekommen es am 19. November. Rockstar hat auf die Anfrage nicht geantwortet. Meine Wunschliste wartet seit 1998, die schafft auch noch ein Quartal.
Ich warte trotzdem schon mit gepacktem Rucksack.
Control Resonant von Remedy hat sich in drei Wochen über eine Million Mal verkauft. Laut Remedy das am schnellsten verkaufte Spiel in 31 Jahren Firmengeschichte, und das erste dieser Größe, das das Studio selbst verlegt. Alan Wake 2 brauchte für die Million zwei Monate. Ohne Verlag schneller als mit, das ist die eigentliche Nachricht.
Die ESA, der Verband der US-Spielebranche, will den Handheld-Hersteller Anbernic auf eine Liste berüchtigter Piraterie-Märkte setzen lassen. Der Vorwurf: Die Geräte kämen routinemäßig mit vorbespielten Speicherkarten, mit hunderten, tausenden oder sogar zehntausenden Spielen. Eine Antwort von Anbernic gibt es noch nicht.
Die ESA zielt auf die Karte, nicht auf die Emulation. Das ist ein Unterschied, den man sich merken sollte.
Und ab Montag, 19. Oktober, um 19 Uhr läuft das Steam Next Fest, eine Woche lang kostenlose Demos bis zum 26. Am Ende zeigt Valve, welche Demos am beliebtesten waren.
Damit zur ersten Besprechung. Jan, du hast es mitgebracht.
Besprechung 1: Enshrouded
Enshrouded. Entwickelt und veröffentlicht von Keen Games aus Frankfurt. Im Early Access seit Januar 2024, Version 1.0 seit Donnerstag, dem 15. Oktober, zeitgleich auf der PS5. 39,99 Euro, bis zum 29. Oktober 35,99. Survival-Rollenspiel mit Basenbau, Third Person, allein oder im Koop mit bis zu 16 Leuten auf dem PC. USK 12. Minimum ist eine GTX 1060 mit 6 GB und 16 GB Arbeitsspeicher, dazu 60 GB auf der SSD. Ein giftiger Nebel, der Shroud, hat das Königreich Embervale verschlungen. Man baut eine Basis, rettet Überlebende, die dort einziehen und ihr Handwerk mitbringen, und drängt den Nebel zurück. Die Welt ist von Hand gebaut, aber aus Voxeln, also fast überall abbaubar und bebaubar. PC Games nennt Enshrouded deshalb das deutsche Minecraft. Statt Klassen gibt es einen Fertigkeitenbaum mit zwölf Archetypen.
Und darunter läuft eine eigene Engine. PC Games Hardware schreibt: Die Beleuchtung wird komplett in Echtzeit berechnet, nichts ist vorgebacken. Upscaling gibt es mit DLSS 4.5 und FSR 3, kein XeSS. Kritik übt PCGH nur bei der B-Note, dem Upsampling. Aber Achtung: Auf einer GTX 1060 geht es laut PCGH nur mit reduzierten Details, auf höchsten Einstellungen stürzt es schon beim Laden eines Spielstands ab.
Rechnen wir. Keen Games nennt rund 50 Stunden für einen normalen Durchgang und 250, um alles zu sehen. Das ist die Angabe des Herstellers. Aber selbst mit 50 Stunden: 35,99 Euro sind gut 70 Cent pro Stunde. Valheim kostet heute 29,99. Nur: Es gab zweieinhalb Jahre Early Access. Was ist der 1.0-Stempel danach eigentlich wert?
Eine Menge. Mit 1.0 hat die Hauptgeschichte zum ersten Mal ein Ende, dazu kommen eine Vulkanregion mit schwebenden Inseln, 14 neue Gegnertypen und ein System, mit dem man eigene Dungeons baut. Und alle Schriftstücke sind jetzt vertont, auf Deutsch von Dietmar Wunder, der deutschen Stimme von Daniel Craig. Die Geschichte selbst kommt allerdings über knapp 300 verstreute Texte, ohne Zwischensequenzen. heise findet darin keine spannenden oder originellen Wendungen. Das ist ein Hörbuch, kein Drama.
Gekämpft wird auch. PC Games nennt das Kampfsystem recht simpel, es mache aber trotzdem Spaß, und heise findet die Kämpfe spannend und motivierend. Mit 1.0 kommen neun neue Zauberarten und ein überarbeiteter Drachenkampf. Mein Favorit ist aber ein Logiksystem, das an Redstone aus Minecraft erinnert. Damit baut man sich eigene Schaltungen.
Und das Geschäft dahinter: Im Early Access hat sich Enshrouded laut KitGuru über 5 Millionen Mal verkauft. Keen Games ist dabei laut einem Bericht von rund 40 auf rund 80 Leute gewachsen. Spielstände aus dem Early Access lassen sich übernehmen, niemand muss neu anfangen. Die Xbox-Fassung kommt erst im Frühjahr 2027.
Die Community ist trotzdem deutlich: über 107.000 Steam-Rezensionen, 86 Prozent positiv, bei den deutschen sogar 93. Laut Steamcharts waren in den letzten 24 Stunden fast 80.000 Leute gleichzeitig drin. Aber die neuesten Rezensionen haben Kritik: Welteinstellungen lassen sich nicht ändern, die Tastenbelegung ist kaputt, und mehrere schreiben, die Bildrate sei schlechter als vor 1.0. Einer: In der Alpha lief es besser.
Und für wen ist das? Steam listet einstellbare Schriftgröße, Farbalternativen und einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad. Die Dungeons sind laut PC Games allein ganz schön knackig, und in den Nebelgebieten läuft ein Timer, der laut GameStar manche stresst. Wer allein spielt und seine Ruhe will, sollte das wissen.
Am meisten loben die Spieler das Bauen. Eine deutsche Rezension: das mit Abstand beste Bausystem des gesamten Genres. Und unterwegs: Das Steam Deck ist verifiziert, ProtonDB meldet Gold bei rund 350 Berichten. Im Koop sind auf dem PC bis 16 Leute möglich, auf der PS5 höchstens acht.
Zum Preis noch: Es gibt ein Deluxe Upgrade Pack für 9,99 Euro extra und den Soundtrack für 7,99. Hinweise auf Mikrotransaktionen haben wir nicht gefunden. Und Steam verlangt beim Kauf die Zustimmung zur Lizenzvereinbarung eines Drittanbieters. Das steht auf der Shopseite, man sollte es nur gesehen haben.
Die Stimmen der anderen. GameStar gibt laut Metacritic 87 Punkte und schreibt, Version 1.0 reife zu einer vor Spielspaß berstenden Vollversion. PC Games gibt 9 von 10 und nennt es eine riesengroße Spielwiese. Metacritic steht bei 89, allerdings bei nur 9 Tests, die meisten aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Die Gegenstimme ist heise: viel versprochen, viel geliefert, aber den Survival- und Bauelementen fehle es an Originalität.
Und da liegt der Unterschied zur Community. Die Tests kritisieren Story und Originalität, die Spieler die Technik zum Start. PC Games schreibt, es laufe einwandfrei, nur liefen die Tests vor dem Release. Laut einer Rezension lässt sich die Schwierigkeit nach einem Update wieder einstellen, Keen Games arbeitet also schon daran. Okay, okay, okay: Ich warte mit dem Jubel bis zum nächsten Patch.
Also: ein großes Survival-Spiel aus Frankfurt, eine Bauwelt auf Minecraft-Niveau, eine Geschichte zum Zuhören und ein holpriger Start. Stempel.
Spielbar. Für alle, die bauen und erkunden wollen, gern zu zweit oder zu acht. Mit Vorbehalt, weil eine Geschichte, die man vorgelesen bekommt, noch keine erzählte Geschichte ist.
Spielbar. Für Koop-Runden mit Rechnern aus der Mittelklasse. Wer an der Mindestausstattung hängt, wartet auf die ersten Patches.
Sofort spielbar. Für alle, die Survival mögen, bis zum 29. Oktober, solange es 35,99 kostet. Unter einem Euro die Stunde, ich sage das nicht oft. Zwei zu eins: Spielbar.
Nina gibt den Kauf frei, und wir zwei bremsen. Das kommt in den Rundbrief.
Besprechung 2: Silver Pines
Silver Pines. Entwickelt von Wych Elm, einem Studio aus fünf Leuten, die verteilt in Schweden und Norwegen arbeiten. Es ist ihr Debüt, Publisher ist Team17. Erschienen am 8. Oktober, auch für PS5, Xbox und Switch. 24,99 Euro, bis zum 22. Oktober 22,49. Survival-Horror als Metroidvania, von der Seite gesehen, USK 16. Auf Steam 2.530 Rezensionen, 95 Prozent positiv. Man ist Privatdetektiv Red Walker und sucht den verschwundenen Musiker Eddie Velvet in einer fast verlassenen Kleinstadt. Aus dem Noir-Fall wird ein Albtraum. Wenig Munition, ein Teppichmesser, das sich abnutzt, und gespeichert wird nur an Münztelefonen, gegen Münzen. Das Besondere: Das Team hat sich selbst in Kostümen gefilmt und jedes Bild nachgezeichnet, wie früher bei Prince of Persia.
Und die Geschichte? Spieler loben das Mysterium, finden es aber teils wirr. Steam Deck HQ schreibt, sie werde nicht zusammenhängend erzählt, und laut heise kommt der Fall Eddie Velvet nur langsam voran. Dafür sind Musik, Sounddesign und die englischen Sprecher das häufigste Lob auf Steam. Deutsche Texte gibt es, gesprochen wird nur Englisch.
Rechnen wir. Die Tests nennen 10 bis 15 Stunden. Bei 24,99 Euro sind das zwischen 1,70 und 2,50 Euro pro Stunde. Signalis kostet 19,99, das Remake von Silent Hill 2 69,99. Das Studio sagt, es habe über alle Plattformen 100.000 Exemplare verkauft, vor dem Start stand es auf 300.000 Wunschlisten. Für fünf Leute ist das ein Ergebnis.
Und die Handschrift ist da. Die Vorbilder nennen alle: Twin Peaks, Silent Hill, Resident Evil, Akte X. Ein Steam-Nutzer schreibt, Twin Peaks habe mit Alan Wake ein Baby bekommen. Rotoskopie in einem Horrorspiel ist wie ein Daumenkino, für das man selbst Modell gestanden hat: Man sieht die Hand in jeder Bewegung. Zwei der fünf kommen übrigens von Arrowhead, dem Studio hinter Helldivers.
Technisch ist es genügsam: 5 GB, laut Mindestanforderung reicht eine GTX 660 Ti. Das Steam Deck ist verifiziert, aber Steam Deck HQ empfiehlt 30 Bilder pro Sekunde auf Hoch, weil die Vollversion oft unter 60 fällt. Zwei Hotfixes in acht Tagen haben Softlocks behoben und eine Option für DirectX 11 gebracht. Spieler melden trotzdem Abstürze und verlorene Spielstände.
Und das Münztelefon. Freies Speichern lässt sich nicht einschalten, und in den negativen Rezensionen ist das der häufigste Grund aufzuhören. Dazu Backtracking ohne Schnellreise. Das ist Absicht, aber nicht jeder will zurück ins Jahr 1998.
Dafür gibt es schöne Ideen. Hinweise fotografiert man und heftet sie an die Karte, seit dem zweiten Hotfix passen 100 statt 30 Fotos in die Kamera. Ausrüstbare Andenken verändern die Spielweise, und laut Spielern gibt es nach dem Abspann Modifikatoren und mehrere Enden. Mein Lieblingsdetail aus den Patchnotes: Ein kaputtes Teppichmesser macht jetzt 50 Prozent mehr Schaden.
Die Stimmen der anderen. GamesRadar und TheSixthAxis geben 9 von 10, TheSixthAxis nennt es eine fast perfekte Interpretation von Survival-Horror in 2,5D. Der Guardian gibt 8 von 10: ein Spiel, in dem man schwelgt wie ein Privatdetektiv, der seine Budapester abstreift. Metacritic steht bei 86 bei 22 Tests. Die deutsche Gegenstimme ist heise, ohne Wertung: Silver Pines wirke wie ein Museum des Horrors, aber es selbst komme darin gar nicht vor. Und die Kämpfe seien nicht herausfordernd, nur bleifressend.
Die Spanne ist groß. CGMagazine gibt 10 von 10 und nennt es ein Meisterwerk. Checkpoint Gaming gibt 7, die Mischung aus Horror und Metroidvania überzeuge nicht. Insider Gaming gibt 80 und schreibt: Ich wünschte wirklich, es wäre kein 2,5D-Metroidvania. Und die Spieler sind mit 95 Prozent noch begeisterter als die Presse mit 86.
Da hat heise einen Punkt. Die meisten negativen Steam-Rezensionen sagen dasselbe über Kampf und Steuerung, eine schreibt: Es steuert sich wie ein Gartenstuhl. Ich hab’s vorbestellt, und trotzdem: Das muss man vorher wissen.
Also: fünf Leute, ein Zeichenstil, den man nicht vergisst, und ein Kampf, den manche vergessen wollen. Stempel.
Spielbar. Für alle, die Rätsel und Atmosphäre wollen und mit einem hölzernen Kampf leben können. Wer Steuerung wie aus den Neunzigern hasst, wartet auf den nächsten Patch.
Sofort spielbar. Für alle, die Horror lieber gezeichnet als gesprengt mögen. Mit Vorbehalt, weil ein gutes Zitat noch keine eigene Stimme ist, und die muss das zweite Spiel zeigen.
Sofort spielbar. Für Genre-Fans, bis zum 22. Oktober, für 22,49. Zweimal sofort in einer Folge, schreibt das bitte nicht auf. Zwei zu eins: Sofort spielbar.
Wochenend-Tipp & Verabschiedung
Zum Schluss der Wochenend-Tipp. Jeder eine Sache, und für wen.
Das Steam Next Fest ab Montag. Eine Woche lang kostenlose Demos. Für alle, die mit null Euro ins nächste Wochenende wollen.
Mein Tipp ist ein Abschied. Richard Gray, den alle nur Levelord nannten, ist mit 68 Jahren gestorben. Er hat Level für Duke Nukem 3D gebaut, später für SiN und Quake: Scourge of Armagon. In Duke Nukem hat er an einem Ort, an den man gar nicht kommen sollte, eine Notiz hinterlassen: You're not supposed to be here. John Romero schrieb: Man nannte ihn nicht ohne Grund Levelord. Lest einen Nachruf. Für alle, die wissen wollen, wo das Handwerk herkommt.
Mein Tipp: das Original von Shogun 2. Es ist wieder im Laden, 29,99 Euro, über 90 Prozent positiv. Für alle, die Strategie ohne Generäle mit eingewachsenem Helm wollen. Meine Wunschliste wächst diese Woche um 50 Stunden Enshrouded und 12 Stunden Silver Pines. Stand: 28 Jahre und 62 Stunden. Nächste Woche bringt Dennis das erste Spiel mit, ich das zweite.
Und Modern Warfare 4 ist dann draußen. Dann reden wir über Zahlen statt über Vorfreude.
Das war die erste Woche: ein Launcher aus der KI, alte Spiele aus dem Dekompiler, ein Remaster, das zurück ins Regal musste, und Menschen, die dafür bezahlen. Und dazu zwei Spiele, die zeigen, dass Handarbeit noch etwas wert ist. Eins aus Frankfurt, eins von fünf Leuten aus Skandinavien.
Ben Affleck, falls du zuhörst: Gegen Elfjährige verlieren wir auch. Nur ohne zu spielen.
Wir lesen bloß nach, wie es ausgegangen ist.
Das war spielbar, Folge 1. Bis nächsten Freitag.